top of page

Ein junger Rotfuchs, auf den ich nicht gewartet hatte

  • 4. Aug.
  • 2 Min. Lesezeit

Aktualisiert: 5. Aug.

Eigentlich wartete ich an diesem Augustmorgen im Auried auf den Neuntöter. In den Tagen zuvor war er immer wieder vom gleichen Busch aus auf Insektenjagd gegangen. Ich wollte seinen Rückflug fotografieren, im Gegenlicht und möglichst mit Beute im Schnabel. In meinem Kopf war das Bild schon fertig. Jetzt mussten sich nur noch Licht, Flugbahn und Vogel daran halten.


Rund 15 Meter vor der Sitzwarte verschwand ich mit Kamera und Teleobjektiv unter dem Tarnumhang. Der Neuntöter blieb aus. Dafür bewegte sich plötzlich etwas am Boden. Ein junger Rotfuchs trat aus der Vegetation.

Das Gegenlicht war für den Neuntöter gedacht. Dann trat dieser junge Rotfuchs aus der Vegetation.
Das Gegenlicht war für den Neuntöter gedacht. Dann trat dieser junge Rotfuchs aus der Vegetation.

Das Licht, das ich für den Vogel vorgesehen hatte, zeichnete nun einen hellen Saum um sein Fell. Ich musste die Kamera nur leicht nachführen und konnte aus meiner Position weiterfotografieren. Der Wind stand günstig und trug meinen Geruch vermutlich von ihm weg. Jedenfalls schien der Fuchs mich nicht zu bemerken.


Im August sind junge Rotfüchse zunehmend selbständig unterwegs. Dass dieser allein auftauchte, war deshalb nicht ungewöhnlich. Seine Richtung dagegen schon: Er kam immer näher.


Mit jedem Schritt wurde der Bildausschnitt enger. Das Teleobjektiv war auf einen kleinen Vogel in ungefähr 15 Metern Entfernung ausgerichtet. Zuerst passte der ganze Fuchs ins Bild, dann füllte er es zunehmend aus. Schliesslich war er näher als die Naheinstellgrenze meines Objektivs. Es konnte nicht mehr auf ihn scharfstellen. Der Fuchs war zu nah. Das ist in der Wildtierfotografie eines jener Probleme, über die man sich nur schwer ernsthaft beklagen kann. Ausgerechnet von dem Moment, in dem er mir am nächsten war, gibt es deshalb kein Bild.

Noch passte sein Kopf ins Bild. Wenige Schritte später war selbst das nicht mehr möglich.
Noch passte sein Kopf ins Bild. Wenige Schritte später war selbst das nicht mehr möglich.

Erst als ich mich unter dem Tarnumhang bewegte, wurde er aufmerksam. Offenbar bemerkte er nun, dass da etwas nicht stimmte. Wenige Augenblicke später verschwand er wieder im Ried.


Später kam auch das Neuntöterweibchen zurück, mit einem Insekt im Schnabel. Nicht im Gegenlicht, nicht im Anflug und weiter entfernt als geplant. Den Neuntöter hatte ich am Ende also doch noch auf der Speicherkarte.

Der Neuntöter kam später doch noch, nur nicht so, wie ich es geplant hatte.
Der Neuntöter kam später doch noch, nur nicht so, wie ich es geplant hatte.

In Erinnerung bleibt mir trotzdem der junge Fuchs, und ausgerechnet jener Moment, von dem es kein Bild gibt.



bottom of page